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   Lei

 

 

Nad

Ich,

Nebukadnezars Wahnsinn

 

Nebukadnezar,
hatte Ruhe in meinem Hause
und lebte zufrieden in meinem Palast.

Da hatte ich einen Traum,
der erschreckte mich,
und die Gedanken,
die ich auf meinem Bett hatte,
und die Gesichte,
die ich gesehen hatte,
beunruhigten mich.

Und ich befahl,
dass alle Weisen Babels
vor mich gebracht würden,
damit sie mir sagten,
was der Traum bedeutete.

Da brachte man herein die Zeichendeuter,
Weisen, Gelehrten und Wahrsager,
und ich erzählte den Traum vor ihnen;
aber sie konnten mir nicht sagen,
was er bedeutete,
bis zuletzt Daniel vor mich trat,
der Beltschazar
heißt nach dem Namen meines Gottes
und der den Geist der heiligen Götter hat.
Und ich erzählte vor ihm den Traum:

Beltschazar, du Oberster
unter den Zeichendeutern,
von dem ich weiß,
dass du den Geist der heiligen Götter hast
und dir nichts verborgen ist,
sage,
was die Gesichte meines Traumes,
die ich gesehen habe, bedeuten.

Dies sind aber die Gesichte,
die ich gesehen habe auf meinem Bett:

Siehe,
es stand ein Baum in der Mitte der Erde,
der war sehr hoch.
Und er wurde groß und mächtig

und seine Höhe reichte bis an den Himmel,
und er war zu sehen
bis ans Ende der ganzen Erde.
Sein Laub war dicht

und seine Frucht reichlich,
und er gab Nahrung für alle.

Alle Tiere des Feldes
fanden Schatten unter ihm
und die Vögel des Himmels
saßen auf seinen Ästen,
und alles Fleisch nährte sich von ihm.
Und ich sah ein Gesicht auf meinem Bett,
und siehe,
ein heiliger Wächter fuhr vom Himmel herab.
Der rief laut und sprach:


Haut den Baum um
und schlagt ihm die Äste weg,
streift ihm das Laub ab
und zerstreut seine Frucht,
dass die Tiere, die unter ihm liegen,
weglaufen
und die Vögel von seinen Zweigen
fliehen.

Doch lasst den Stock mit seinen Wurzeln
in der Erde bleiben;
er soll in eisernen und ehernen Ketten
auf dem Felde im Grase
und unter dem Tau des Himmels liegen
und nass werden
und soll sein Teil haben mit den Tieren
am Gras auf der Erde.
Und das menschliche Herz

soll von ihm genommen
und ein tierisches Herz ihm gegeben werden,
und sieben Zeiten sollen über ihn hingehen.

Dies ist im Rat der Wächter beschlossen
und ist Gebot der Heiligen,
damit die Lebenden erkennen,
dass der Höchste Gewalt hat
über die Königreiche der Menschen
und sie geben kann, wem er will,
und einen Niedrigen darüber setzen.

Solch einen Traum hab ich,
König Nebukadnezar, gehabt;
du aber, Beltschazar, sage,
was er bedeutet.
Denn alle Weisen in meinem Königreich
können mir nicht kundtun, was er bedeutet;
du aber kannst es,
denn der Geist der heiligen Götter ist bei dir.

Da entsetzte sich Daniel,
der auch Beltschazar heißt,
eine Zeit lang,
und seine Gedanken beunruhigten ihn.
Aber der König sprach:

Beltschazar,
lass dich durch den Traum und seine Deutung
nicht beunruhigen.
Beltschazar fing an und sprach:
Ach, mein Herr,
dass doch der Traum deinen Feinden
und seine Deutung deinen Widersachern gelte!

Der Baum, den du gesehen hast,
der groß und mächtig wurde
und dessen Höhe an den Himmel reichte
und der zu sehen war auf der ganzen Erde,
dessen Laub dicht
und dessen Frucht reichlich war,
sodass er Nahrung für alle gab,
unter dem die Tiere des Feldes wohnten
und auf dessen Ästen
die Vögel des Himmels saßen
- das bist du,
König,
der du so groß und mächtig bist;
denn deine Macht ist groß
und reicht bis an den Himmel
und deine Gewalt
bis ans Ende der Erde.

Dass aber der König
einen heiligen Wächter gesehen hat
vom Himmel herabfahren,
der sagte:
»Haut den Baum um und zerstört ihn,
doch den Stock mit seinen Wurzeln
lasst in der Erde bleiben;
er soll in eisernen und ehernen Ketten
auf dem Felde im Grase
und unter dem Tau des Himmels liegen
und nass werden
und mit den Tieren des Feldes zusammenleben,
bis über ihn sieben Zeiten hingegangen sind«;
das, König, bedeutet
- und zwar ergeht es als Ratschluss des Höchsten
über meinen Herrn, den König -:


Man wird dich

aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen
und du musst bei den Tieren des Feldes bleiben,
und man wird dich
Gras fressen lassen wie die Rinder
und du wirst unter dem Tau des Himmels liegen
und nass werden,
und sieben Zeiten werden über dich hingehen,
bis du erkennst,
dass der Höchste Gewalt hat
über die Königreiche der Menschen
und sie gibt, wem er will.

Wenn aber gesagt wurde,
man solle dennoch den Stock des Baumes
mit seinen Wurzeln übrig lassen,
das bedeutet:


Dein Königreich soll dir erhalten bleiben,

sobald du erkannt hast,
dass der Himmel die Gewalt hat.
Darum, mein König,
lass dir meinen Rat gefallen
und mache dich los und ledig
von deinen Sünden durch Gerechtigkeit
und von deiner Missetat
durch Wohltat an den Armen,
so wird es dir lange wohlergehen.

Dies alles widerfuhr dem König Nebukadnezar.
Denn nach zwölf Monaten,
als der König auf dem Dach
des königlichen Palastes in Babel sich erging,
hob er an und sprach:

Das ist das große Babel,
das ich erbaut habe zur Königsstadt
durch meine große Macht
zu Ehren meiner Herrlichkeit.
Ehe noch der König
diese Worte ausgeredet hatte,
kam eine Stimme vom Himmel:

Dir, König Nebukadnezar,
wird gesagt:
Dein Königreich ist dir genommen,
man wird dich aus der Gemeinschaft
der Menschen verstoßen
und du sollst bei den Tieren des Feldes bleiben;
Gras wird man dich fressen lassen
wie die Rinder,
und sieben Zeiten sollen hingehen,
bis du erkennst,
dass der Höchste Gewalt hat
über die Königreiche der Menschen
und sie gibt, wem er will.

Im gleichen Augenblick
wurde das Wort erfüllt an Nebukadnezar,
und er wurde verstoßen
aus der Gemeinschaft der Menschen
und er fraß Gras wie die Rinder
und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels
und wurde nass,
bis sein Haar wuchs so groß wie Adlerfedern
und seine Nägel wie Vogelklauen wurden.

Nach dieser Zeit hob ich,
Nebukadnezar,
meine Augen auf zum Himmel,
und mein Verstand kam mir wieder
und ich lobte den Höchsten.
Ich pries und ehrte den,
der ewig lebt,
dessen Gewalt ewig ist
und dessen Reich für und für währt,
gegen den alle,
die auf Erden wohnen,
für nichts zu rechnen sind.
Er macht's, wie er will,
mit den Mächten im Himmel
und mit denen,
die auf Erden wohnen.
Und niemand kann seiner Hand wehren
noch zu ihm sagen:
Was machst du?

Zur selben Zeit
kehrte mein Verstand zu mir zurück,
und meine Herrlichkeit und mein Glanz
kamen wieder an mich
zur Ehre meines Königreichs.
Und meine Räte und Mächtigen
suchten mich auf,
und ich wurde wieder
über mein Königreich eingesetzt
und gewann noch größere Herrlichkeit.

Darum lobe, ehre und preise ich,
Nebukadnezar,
den König des Himmels;
denn all sein Tun ist Wahrheit,
und seine Wege sind recht,
und wer stolz ist,
den kann er demütigen.